- Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine professionelle, tierärztliche Konsultation.
Schafft man sich einen neuen Hund an, gibt es viel zu bedenken. Welche Rasse, welches Alter, welche Pflegebedürfnisse und welches Energielevel? Und was ist eigentlich mit dem Geschlecht des Hundes? Gibt es bedeutende Unterschiede zwischen Rüden und Hündinnen in Bezug auf Temperament, Verhalten oder Gesundheit? Ist ein Geschlecht leichter zu trainieren als das andere?
Um mehr darüber zu erfahren, haben wir uns mit dem aktuellen Forschungsstand zu dem Thema befasst und mit zwei Tierärztinnen gesprochen: Dr. Wendy Hauser, DVM und Veterinärberaterin bei ASPCA Pet Health Insurance, und Dr. Nita Vasudevan Patel, Tierärztin bei Embrace Pet Insurance.
In diesem Beitrag geht es um häufig genannte Unterschiede zwischen Rüden und Hündinnen, zum Beispiel Verhaltensweisen, Charakter, aggressive Tendenzen und Kompatibilität mit anderen Haustieren.
Wie nennt man weibliche und männliche Hunde?

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Ausgewachsene weibliche Hunde werden in der Veterinär- und Zuchtsprache als Hündinnen bezeichnet, männliche Hunde als Rüden und junge Hunde beiden Geschlechts als Welpen.
Bei der Zucht stößt man beim weiblichen Hund auch auf den Begriff Muttertier, der männliche Hund wird zum Vatertier. Ein männlicher Hund, der regelmäßig zur Zucht eingesetzt wird, wird auch als Zuchtrüde bezeichnet.
Außerhalb dieser Kreise sagen die meisten Menschen aber Hund und Hündin, was auch vollkommen ausreicht.
Physikalische Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Hunden
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Männliche und weibliche Hunde haben unterschiedliche Fortpflanzungs- und Geschlechtsorgane.
Zahlreiche biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern der Hunde hängen mit Fortpflanzungshormonen zusammen. Testosteron ist das vorrangige Geschlechtshormon der Rüden und kann zu Verhaltensweisen wie Herumstreifen, Besteigen und Markieren mit Urin führen.
Bei den Hündinnen produzieren die Eierstöcke Östrogen und Progesteron, was ihren Zyklus reguliert und zu Verhaltensänderungen führen kann, zu denen Unruhe und Interesse an Rüden gehören. Eine Kastration oder Sterilisation des Hundes reduziert Verhaltensweisen, die durch Geschlechtshormone ausgelöst werden.

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Es gibt auch Größenunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Hunden. Rüden sind massiger (sowohl in der Größe als auch beim Gewicht) als Hündinnen, was auch mit einer gewissen körperlichen Stärke einhergeht. Daran solltest du auf jeden Fall denken, wenn du Probleme damit haben könntest, einen größeren, stärkeren Hund an der Leine zu halten.
Bekommen weibliche Hunde eine Periode?
Weibliche Hunde haben keine monatliche Periode so wie wir Menschen. Sie durchlaufen allerdings einen Östruszyklus, den man auch als „Läufigkeit“ bezeichnet. Er beinhaltet vaginalen Ausfluss oder Blutungen.
Wenn Hündinnen läufig werden, bedeutet das, dass sie Junge bekommen können. Ihr Körper produziert dann ein Sekret, das die Rüden anzieht. Eine kastrierte Hündin durchläuft keinen Zyklus mehr und ist auch nicht mehr an der Fortpflanzung interessiert.
„Unkastrierte Hündinnen sind etwa zweimal im Jahr läufig, was auch Verhaltensänderungen und zusätzliche Betreuungsanforderungen zur Folge haben kann, wenn man eine unerwünschte Trächtigkeit verhindern möchte,“ erklärt Dr. Nita Vasudevan Patel. Diese Verhaltensänderungen beinhalten unter anderem Unruhe und ein höheres Aggressionspotenzial.
Unterschiede beim Temperament zwischen männlichen und weiblichen Hunden
Es ist egal in welchem Hundeforum man nachschaut, es gibt viele verschiedene Meinungen zu den Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Hunden. Aber steckt da wirklich eine Wahrheit hinter diesen Anekdoten? Wir haben uns das genauer angesehen.

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Temperament & Persönlichkeit
Dr. Vasudevan Patel weist darauf hin, dass die Verallgemeinerung, ein Geschlecht sei anhänglicher als das andere, nicht für alle Hunde gilt. Wie anhänglich ein Hund ist, hängt davon ab, wie gut du ihn verstehst und mit ihm kommunizierst.
Die Forschung ist hier noch nicht ganz ausgereift, aber es gibt Hinweise darauf, dass sich männliche und weibliche Hunde darin unterscheiden, wie sie mit Menschen interagieren. „Hündin scheinen eine Aufgabe erledigen zu wollen,“ sagt Dr. Wendy Hauser. „Sie genießen das Lösen von Problemen, um ein kooperatives Verhalten bei ihren Menschen auszulösen.“ Männliche Hunde hingegen ziehen unstrukturiertes soziales Spielen mit Menschen vor.
Es ist aber wichtig, zu erkennen, dass diese Unterschiede nicht definitiv sind und je nach Hund variieren können. Letztendlich wird das Temperament eines Hundes eher von seinen Erfahrungen, der Sozialisierung und der Umgebung, in der er aufgewachsen ist, beeinflusst.
Schulung
Viele Menschen behaupten, Hündinnen seien einfacher zu trainieren als Rüden, doch dieses Gebiet ist kaum erforscht. Eine in der Royal Society Open Science veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2017 hat ergeben, dass weibliche Hunde gehorsamer waren (EN). In der Theorie sollte das bedeuten, dass sie leichter zu trainieren sind als Rüden. Hündinnen entwickeln sich angeblich auch schneller als Rüden, weshalb sie möglicherweise schneller lernen.
Unsere Expertinnen glauben aber, dass hier andere Faktoren am Werk sind als das Geschlecht. „Der Trainingserfolg hängt eher vom Charakter des einzelnen Hundes ab und von der Konstanz des Trainingsprogramms und nicht von seinem Geschlecht,“ erklärt Dr. Vasudevan Patel.

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Es kann Probleme beim Training geben, wenn ein Hund nicht kastriert oder sterilisiert ist, da er sich so eher von seiner Umgebung ablenken lässt.
Aggressive und beschützende Tendenzen
Manche Studien (EN) zeigen, dass Rüden eher zu Aggressionen neigen als Hündinnen. Dr. Vasudevan Patel hebt aber hervor, dass Aggression bei Hunden beider Geschlechter vorkommen kann und wahrscheinlich eher vom Umfeld und der Sozialisierung des Hundes beeinflusst wird als vom Geschlecht.
Unkastrierte Hunde beider Geschlechter neigen in der Regel eher zu Aggressionen als kastrierte oder sterilisierte Hunde. Insbesondere unkastrierte Hündinnen können während der Läufigkeit oder nach der Geburt ein sehr territoriales und beschützendes Verhalten zeigen.
Markieren und Besteigen
Laut Dr. Vasudevan Patel neigen unkastrierte Rüden zum Besteigen und Markieren ihres Reviers. Doch auch weibliche Hunde sind für Besteigen und Markieren bekannt, fügt sie hinzu.
Diese Verhaltensweisen liegen in der Natur des Hundes und sind nicht nur bei einem bestimmten Geschlecht zu finden. Beim Markieren geht es um Kommunikation: Bei unkastrierten Hunden kann es signalisieren, dass sie bereit zur Paarung sind. Aus freundlichen oder verspielten Gründen besteigen Hunde manchmal auch Menschen, andere Hunde oder Gegenstände.

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Kompatibilität mit Kindern und anderen Tieren
Sowohl männliche als auch weibliche Hunde können wunderbar mit Kindern und anderen Tieren klarkommen, wenn sie ordnungsgemäß sozialisiert wurden. „Der individuelle Charakter und die frühe Sozialisierung spielen eine wichtigere Rolle als das Geschlecht,“ bestätigt Dr. Vasudevan Patel.
Bei bestimmten Geschlechterpaarungen in Haushalten mit mehreren Hunden kann die Verträglichkeit schwieriger sein. Es gibt Verhaltensforscher in der Tiermedizin, die glauben, dass die beste Kombination Hunde unterschiedlicher Geschlechter sind. Dr. Hauser verrät uns, dass eine Studie ergab, dass weibliche Hunde sich aggressiver anderen Hündinnen gegenüber verhalten könnten.
Wenn du überlegst, ob es eine gute Idee ist, dir einen zweiten Hund anzuschaffen, sind sich unsere Expertinnen einig, dass man eher auf einen kompatiblen Charakter achten sollte, als auf das Geschlecht.
„Wenn man zum Beispiel einen dominanten Hund besitzt, kann es zu empfehlen sein, einen weniger dominanten zweiten Hund dazu zu holen,“ erklärt Dr. Hauser. „Bei Hunden mit hohem Energiebedarf sollte auch der zweite Hunde nicht zu faul sein.“
Das Aufziehen von Welpen
Weibliche Welpen erreichen Punkte wie die Pubertät, Geschlechtsreife und ihre vollständige Größe schneller als männliche Welpen. Es gibt Hundebesitzer und Züchter, die davon berichten, männliche Welpen seien entdeckungsfreudiger als ihre weiblichen Geschwister, während weibliche Welpen sensibler auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren. Einen wissenschaftlichen Konsens gibt es hier aber nicht.
Rasse, Sozialisierung und Charakter sind viel stärkere Faktoren, wenn es um die Erfahrung geht, einen Welpen aufzuziehen.

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Gesundheitsversorgung von männlichen und weiblichen Hunden
Das eine Geschlecht ist nicht von Natur aus gesünder als das andere und die grundlegende Versorgung von männlichen und weiblichen Hunden erfolgt ziemlich gleich. Das betrifft ihre Ernährung, Auslauf, Fellpflege und Routinebesuche beim Tierarzt. „Ausnahmen stellen Krankheiten dar, die nur ein Geschlecht betreffen und sich meist auf die Fortpflanzungsorgane beziehen,“ sagt Dr. Hauser.
Unkastrierte Hündinnen können beispielsweise Tumore an den Milchdrüsen oder Pyometra entwickeln (ernsthafte Gebärmutterinfektionen). Ein unkastrierter Rüde hat ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs oder Prostata-Problemen zu erkranken.
Männliche Hunde neigen aufgrund ihrer Größe auch eher dazu, Gelenkbeschwerden wie Arthritis (EN) zu entwickeln.
Medizinische Kosten sind bei beiden Geschlechtern etwa gleich hoch. Allerdings sind Kastrationen häufig teurer als Sterilisationen. Das liegt daran, dass bei der Kastration kompliziertere und zeitaufwändigere Operationen im Bauchraum erforderlich sind.
Welches Geschlecht ist das richtige für dich?
Das Geschlecht eines Hundes ist zwar kein erheblicher Indikator dafür, wie gut er in deine Familie passen wird, es gibt aber ein paar Unterschiede, über die du nachdenken solltest, wenn du dich entscheiden musst.
Vor- und Nachteile von Hündinnen:
- Insgesamt kleiner und leichter
- Unkastrierte Hündinnen werden zweimal im Jahr läufig
- Unkastrierte Hündinnen können an Tumoren der Milchdrüsen und Gebärmutterinfektionen erkranken
- Mögen gerne kooperatives Rätsellösen mit Menschen (wobei dies eine Verallgemeinerung ist)
- Neigen möglicherweise weniger zu Aggressionen (wieder nur eine Verallgemeinerung)
Vor- und Nachteile von Rüden:
- Insgesamt größer und schwerer
- Unkastrierte Rüden neigen eher zu Verhaltensweisen wie Markieren, Besteigen und Herumstreifen
- Unkastrierte Rüden erkranken möglicherweise an Hodenkrebs und Prostataproblemen
- Mögen gerne unstrukturiertes soziales Spielen mit Menschen (wobei dies eine Verallgemeinerung ist)
- Neigen möglicherweise zu Aggressionen (wieder eine Verallgemeinerung)
Letztendlich sind sich beide Expertinnen einig, dass das Geschlecht des Hundes kein Hauptfaktor bei der Auswahl eines neuen Haustieres sein sollte.
„Männliche und weibliche Hunde zeigen unterschiedliche Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften, aber diese Unterschiede sind meist nur subtil und können erheblich von der Rasse, Sozialisierung und dem individuellen Charakter des Hundes beeinflusst werden,“ so Dr. Vasudevan Patel. „Viel wichtiger ist, sich über das Temperament, das Energielevel und die Kompatibilität mit dem Lebensstil des Besitzers Gedanken zu machen.“
Anstatt sich auf das Geschlecht des Hundes zu konzentrieren, sollte man ihn zuerst kennenlernen und sich über seine Erfahrungen in der Vergangenheit informieren, bevor man entscheidet, ob er in das eigene Leben passt.


