- Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine professionelle, tierärztliche Konsultation.
Katzen sind Jäger – soviel steht fest. Anpirschen, Springen, Beißen und selbst Treten sind normale Verhaltensweisen, mit denen Katzen mit ihrem Umfeld interagieren, wobei sie Kopf und Körper trainieren und aufgestaute Energie abladen. Wirst du allerdings zum Ziel dieser Attacken, ist es völlig verständlich, überrascht, unsicher und vielleicht frustriert zu reagieren, wenn deine Fellpfote plötzlich vom Kuscheln zum Angriff übergeht.
Warum attackieren Katzen wie aus dem Nichts? Langeweile und Angst sind häufig der Grund dafür, sagt Joey Lusvardi, zertifizierter Verhaltensexperte für Katzen und Inhaber von Class Act Cats, einem Beratungs- und Trainingsdienst für Katzenverhalten in Minneapolis. „Am besten planst du regelmäßig interaktive Spieleinheiten mit deiner Katze ein,“ empfiehlt er. Seiner Meinung nach führen Disziplinierungstaktiken, wie das Besprühen deiner Katze mit Wasser, nur dazu unerwünschte Verhaltensmuster zu verstärken.
Hier erfährst du, was du tun solltest, wenn dich deine Katze angreift, und wie du den Unterschied zwischen normalem Spielverhalten und schwerwiegenden Gründen erkennst.
Ist meine Katze verspielt oder aggressiv?
Es kann schwierig sein, den Unterschied zwischen Verspieltheit und Aggression bei Katzen zu erkennen. Während deine Katze beim Spielen eher ruhig bleibt, handelt es sich bei den folgenden Verhaltensweisen wahrscheinlich aufgrund von Angst oder Reizüberflutung um einen Angriff:
- Aggressive Laute wie Fauchen, Knurren oder Spucken
- Ein Katzenbuckel, meist mit aufgestellten Haaren
- Nach hinten gerichtete Ohren
- Erweiterte Pupillen
- Angespannte Körperhaltung mit eingezogenen Beinen oder Schwanz

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Liegen Angriffe in der Natur der Katze?
Da es sich bei Katzen um Raubtiere handelt, ist das Jagen laut Lusvardi ganz normal. Wenn Katzen kein Ventil für ihre Raubtierinstinkte finden, kann sich ihr Jagdverhalten in Form von Angriffen direkt gegen uns Menschen oder andere Tiere richten.
Alle Katzen sind zum Jagen geboren, doch Katzenrassen, die als Mischung aus Haus- und Wildkatzen gelten, zum Beispiel Savannah und Bengalkatzen, haben in der Regel einen ausgeprägteren Jagdtrieb als andere Katzen. Allerdings gehen selbst die freundlichsten Katzenrassen zum Angriff über, wenn sie nicht genug Spielgelegenheiten und Stimulation geboten bekommen.
Vor allem junge Katzen bespringen und beißen ihre Besitzer schon einmal, um ihre Welt und dich besser einordnen zu können. Mit ausreichend Beschäftigung, wie Katzenspielzeug und positiver Bestärkung, sollte sich der Drang deiner Katze, dich anzugreifen, mit dem Heranwachsen langsam legen.
So gewöhnst du jungen Katzen das Beißen oder Angreifen ab
Wenn deine Katze oder dein Kätzchen dir auflauert, reagierst du wahrscheinlich mit der entsprechenden Aufmerksamkeit ihr gegenüber und hebst sie hoch. Genau dieses Ziel verfolgt deine Katze, meint Samantha Bell, Expertin für Katzenbereicherung bei Best Friends Animal Society.
„Die meisten Katzen empfinden Aufmerksamkeit als Belohnung,“ sagt sie. Errichte stattdessen ganz ruhig eine visuelle Barriere zwischen dir und deiner Katze. Lenke dann die Aufmerksamkeit der angreifenden Katze auf etwas, das sie attackieren darf, zum Beispiel ein Katzenminze-Polster oder ein interaktives Spielzeug. Belohne deine Katze mit einem Leckerli für ihren Jagderfolg. Dabei bestärkst du das gewünschte Verhalten und sorgst dafür, dass sie die richtige Art und Weise erkennt, um ihren Jagdinstinkt auszuleben.
Bell fügt außerdem hinzu, dass viele Tierheime darauf achten, dass man zwei Katzen anstelle von einer aufnimmt, damit sie diese wichtigen Sozialisierungskompetenzen erlernen. Dann können sich beide nach Herzenslust beißen und gegenseitig angreifen, erklärt sie.

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Attackiert dich deine Katze aus Langeweile?
Freigängerkatzen haben in der Regel ausreichend Gelegenheit, um ihren Jagdtrieb auszuleben, bei nur im Haus lebenden Katzen müssen die Besitzer hingegen kreativ werden. Kratzbäume, Sitzstangen, Kratzmatten, Fensterstangen und Regale gehören in jeden katzenfreundlichen Haushalt, damit die Vierbeiner die Möglichkeit haben, dreidimensionale Welten zu erkunden. Regelmäßige interaktive Spieleinheiten sind ebenfalls für ihr allgemeines Wohlbefinden entscheidend.
„Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel Stimulation Katzen benötigen, und wie wichtig interaktives Spielen für sie ist,“ sagt Lusvardi. Plane mindestens 30 Minuten interaktive Spielzeit am Tag ein, am besten aufgeteilt in zwei oder drei Einheiten.
Neben grundlosen Attacken zeigen diese Anzeichen, dass deine Katze sich langweilt:
- Übermäßiges Miauen
- Übermäßige Fellpflege
- Drangsalieren anderer Katzen im Haushalt
- Zerkratzen der Möbel
- Häufiges Schlafen
- Übermäßiges Essen
So vermeidest du Angriffe aus Langeweile
Allgemein unterbindest du das Angreifen deiner Katze am besten dadurch, dass du sie täglich durch interaktives Spielen forderst, so Lusvardi. Dazu gehört die Beschäftigung mit Spielen, die mit Jagen, Springen und Anpirschen verbunden sind, so dass die natürlichen Jagdinstinkte der Katze befriedigt werden. Dadurch wird sie körperlich und geistig gefordert, du vermeidest Langeweile und stärkst eure Bindung.
„Bewege einen Spielzeugstab so, dass er die Katze an etwas erinnert, was sie jagen würde,“ erklärt er. „Variiere die Bewegungen, um die Aufmerksamkeit der Katze zu erlangen, und bewege das Spielzeug von links nach rechts oder ein Stück entfernt von der Katze, da sie nah bei sich nicht besonders gut sehen kann.“ Es gibt unzählige verschiedene Spielzeuge, die du nehmen kannst, damit deine Katze sich auf die Jagd nach Vögeln, Schlangen, Mäusen oder Krabbeltieren machen kann.
Solltest du den ganzen Tag unterwegs sein, lege ein elektrisches, bewegungsaktiviertes Spielzeug oder ein Futterpuzzle für deine Katze bereit. Die Suche nach Leckereien im Haus kann genauso unterhaltsam und köstlich sein wie richtiges Jagen. Oder du engagierst einen Katzensitter, der zu dir nach Hause kommt und die benötigte Spielzeit übernimmt.

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Attackiert dich deine Katze aus Angst?
Katzen sind nicht nur versierte Jäger, sie werden auch leicht selbst zur Beute. Ihr Instinkt fordert sie also zum Beißen, Angreifen oder Fauchen auf, wenn sie sich bedroht fühlen. Bell erklärt, dass Katzen, die kein Vertrauen in Menschen haben, diese möglicherweise als Bedrohung ansehen. Katzen erschrecken sich schnell durch Geräusche und Bewegungen, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen oder unbekannte Objekte entdecken (was wir in den viralen Gurkenvideos sehen konnten).
So verhinderst du angstbasierte Aggressionen bei Katzen
Bestrafe deine Katze nicht wegen angstbasierter Aggressionen, indem du sie zum Beispiel mit Wasser besprühst. Laut Lusvardi hat eine solche Bestrafung oft den gegenteiligen Effekt und sorgt dafür, deine Katze noch mehr zu verängstigen und ihre Aggressionen zu schüren.
Sorge stattdessen dafür, dass sich deine Katze bei dir sicher fühlt, indem du ihr ruhige Plätze zum Liegen und Verstecken bietest, beispielsweise Kratzbäume und gemütliche Höhlen. Schließe die Jalousien oder führe deine Katze langsam an normale Objekte und Geräusche heran, um ihre Angst zu mildern.
Dies sind weitere Strategien, um deiner Katze die Angst zu nehmen:
- Sozialisierung der Katze
- Verwendung beruhigender Pheromone
- Etablieren einer Routine
- Sprechen mit beruhigender Stimme
- Abspielen von Musik für Katzen
- Bereitstellen verschiedener Katzentoiletten an geeigneten Orten
- Etablieren getrennter Futterplätze bei mehreren Katzen im Haushalt
- Häufiges Spielen mit der Katze
- Respektieren ihrer Grenzen

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Attackiert dich deine Katze aufgrund von Reizüberflutung?
Reizüberflutung oder Reaktionen auf Streicheln sind bei Katzen normal. Genau wie wir erleben Katzen bei zu viel Aufregung oder Reizen eine Art Überforderung der Sinne. Eine Reizüberflutung bei Katzen kann recht plötzlich passieren, so dass sie bei übermäßigem Streicheln, Spielen oder Geräuschen aggressiv reagiert.
Wenn eine Katze ihre Grenzen erreicht hat, kommuniziert sie das in der Regel durch Körpersprache, zum Beispiel angelegte Ohren, Schlagen mit dem Schwanz, gekräuselte Haut oder schnelle Kopfbewegungen. Wenn diese subtilen Hinweise übersehen werden, kann es schnell zum Angriff kommen.
So vermeidest du durch Reizüberflutung ausgelöste Angriffe bei Katzen
Das Ausmaß der Stimulation, die zu einer Reizüberflutung führen kann, ist von Katze zu Katze unterschiedlich. Ausgewachsene Katzen sind dafür häufig anfälliger als junge Tiere, wobei das Alter in manchen Fällen überhaupt keine Rolle spielt. Ängstliche Katzen oder solche mit Erkrankungen, die eine taktile Empfindlichkeit hervorrufen, sind eher von Reizüberflutung betroffen.
Um dies zu verhindern, solltest du deine Katze Interaktionen anregen lassen und dich darum bemühen, ihre Körpersprache zu deuten. Streichel deine Katze ein wenig, ziehe dann deine Hand zurück und warte, ob sie dich dazu auffordert weiterzumachen. Wenn sie sich zurückzieht oder deine Hand meidet, hat sie vermutlich genug von den Streicheleinheiten. Katzen profitieren auch von einem sicheren, ruhigen Raum im Haus, in den sie sich zurückziehen können, wenn es ihnen zu viel wird.
Attackiert dich deine Katze aus Frustration?
Angriffe aus Frustration, auch umgeleitete Aggression genannt, können vorkommen, wenn eine Katze keinen Zugriff auf den Auslöser für ihre Angst oder Stress hat, erklärt Lusvardi. Genau wie Menschen, die ihre Gefühle an anderen auslassen, reagieren sich auch Katzen an der nächstbesten Person, Katze oder anderen Tieren ab.
So verhinderst und schränkst du umgeleitete Aggressionen ein
Es ist zwar nicht immer möglich, den Auslöser der Frustration zu beseitigen, wenn du deiner Katze aber ein entsprechendes Ventil bietest (Kratzoberflächen, Spielzeugpolster und Spielmäuse), können unerwünschte Angriffe vermieden werden. Kann die Ursache der Frustration beseitigt werden, zum Beispiel der Anblick einer Katze vor dem Fenster, hilfst du deiner Katze, indem du die Jalousien schließt und Pheromondiffuser verwendest, um für eine beruhigende Atmosphäre zu sorgen.
Reagiert deine Katze aggressiv aufgrund von Frustration, verschärfe die Situation bitte nicht durch Anschreien, abrupte Bewegungen oder Bestrafung. Lusvardi empfiehlt stattdessen, dich selbst, andere Menschen und Haustiere von deiner Katze zu entfernen, damit sie sich beruhigen kann.
Attackiert dich deine Katze aufgrund von Schmerzen oder Verletzungen?
Wenn Aggressionen oder Reizbarkeit, wie Fauchen, Schlagen und Beißen, bei deiner Katze so noch nie vorgekommen sind, sprich mit deinem Tierarzt, um gesundheitliche Ursachen auszuschließen. Der Tierarzt sollte laut Lusvardi immer der erste Ansprechpartner sein, wenn dir plötzliche Veränderungen am Verhalten deiner Katze auffallen.
Die Anzeichen für Schmerzen, Stress oder eine Erkrankung sind bei Katzen oft subtil. Hier ist eine Liste häufiger Anzeichen für Schmerzen oder Krankheiten bei Katzen, auf die du achten solltest:
- Veränderungen bei den Schlafgewohnheiten, entweder mehr oder weniger Schlaf
- Übermäßige Fellpflege
- Veränderter Appetit
- Defäkation außerhalb der Katzentoilette
- Urinieren außerhalb der Katzentoilette
- Schwierigkeiten oder Unfähigkeit zu stehen
- Verminderte Mobilität
- Glasige Augen
- Erweiterte Pupillen
- Schnurren, während die Katze nicht gerade sozial interagiert, spielt oder frisst
- Hecheln oder Atmen mit offenem Maul
- Übermäßiger Speichelfluss
- Mangelnde Fellpflege, erkennbar an stumpfem, verfilztem oder öligem Fell
- Übermäßiges Miauen, Jaulen oder Katzenjammer

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Attackiert mich meine Katze, weil sie Junge hat?
Mütterliche Aggression ist ein Schutzverhalten, um neugeborene Kätzchen zu beschützen. Sie kann sich gegen Menschen, andere Haustiere oder Katzen richten, die als Bedrohung der Jungen angesehen werden, und tritt normalerweise in den ersten drei bis vier Wochen nach der Geburt auf, wenn die Jungtiere noch besonders hilflos sind.
Um das Risiko von Angriffen zu senken, solltest du die Katzenmutter schon während der Tragzeit mit den Menschen sozialisieren, die sie nach der Geburt umgeben werden. Vor und nach der Geburt sollte sie einen von anderen Katzen im Haushalt getrennten Zugriff auf alle nötigen Ressourcen haben, also eine eigene Katzentoilette, Wasserschalen und Fressnäpfe.
Wenn du einen eigenen und geschützten Raum für die Mutter und ihre Kätzchen nach der Geburt einrichtest, wird sie sich dort sicherer fühlen. Dazu gehören ein getrenntes Zimmer für die Katzenmutter und ihren Wurf, das Installieren eines Babygitters oder das Bereitstellen eines Laufstalls für die Kätzchen. Achte darauf, die Betreuung der Mutter nicht zu stören. Sie hat in den ersten paar Wochen alles unter Kontrolle.
Fazit
Wenn deine Katze dich oder andere Haustiere attackiert, ist sie nicht automatisch böse oder bösartig. Es gehört zum normalen Verhalten der Katze, die bestimmte Ventile benötigt, um ihren Jagdtrieb auszuleben. Es kann aber sein, dass sie aus Angst, Frustration oder aufgrund einer Erkrankung angreift. Wenn du plötzliche Veränderungen am Charakter deiner Katze bemerkst oder sie dich wie aus dem Nichts angreift, sprich mit deinem Tierarzt, um eine Erkrankung auszuschließen.
„Selbst wenn es keine gesundheitlichen Gründe gibt, kann dir dein Tierarzt Empfehlungen aussprechen oder dich an einen qualifizierten Verhaltensberater verweisen, damit du Hilfe bekommst,“ betont Lusvardi.


