- Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine professionelle, tierärztliche Konsultation.
Ist deine neue Katze eher zurückhaltend? Keine Sorge – Katzen sind sensible Wesen. Es braucht Zeit und Geduld, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Doch Katzen können auch sehr liebevoll sein und eine tiefe Bindung zu Menschen aufbauen. Du brauchst nur viel Geduld, Respekt und einen Vorrat an Leckerlis und Spielzeug.
Die ersten Monate mit deiner neuen Katze sind entscheidend, um eine liebevolle Beziehung aufzubauen, die auf Vertrauen basiert. Wir haben zwei Tierärzte um Rat gefragt, wie du deine Katze oder dein Kätzchen in dieser entscheidenden Phase für dich gewinnen kannst. Und wir haben Fachleute nach Tipps gefragt, wie du das Herz deiner Katze gewinnst.
Wie lange dauert es, bis meine Katze mich mag?
Bei der Eingewöhnung einer Katze in ihr neues Zuhause empfehlen viele Fachleute die sogenannte „3-3-3-Regel“. Zusammengefasst empfiehlt diese Regel, deiner Katze Folgendes zuzugestehen:
- Drei Tage zum Akklimatisieren
- Drei Wochen zum Erlernen deiner Routine
- Drei Monate zum Einleben
Du fragst dich, wie du dein Haustier am besten bei der Eingewöhnung unterstützt?? Geduld, Geduld, Geduld. Du wirst mehr Erfolg haben, wenn du den Prozess nicht überstürzt.
Jede Katze ist einzigartig und gewöhnt sich in ihrem eigenen Tempo an ihr neues Zuhause. Einige Katzen fühlen sich schon nach wenigen Stunden wohl, während andere mehrere Monate brauchen, bis sie sich voll und ganz eingelebt haben.
1. Sei eine Quelle der Ruhe und Stille
In den ersten Tagen kann sich deine Katze in ihrer neuen Umgebung unsicher oder ängstlich fühlen. Laut Dr. Neus Torrent Ample, DVM, Tierärztin bei Outdoor Bengal, ist die Schaffung einer ruhigen und friedlichen Atmosphäre in dieser frühen Phase besonders wichtig. Vermeide daher laute Geräusche und plötzliche Bewegungen.
Bei schüchternen Katzen solltest du deine Begeisterung zurückhalten und nicht versuchen, sofort ihr Lieblingsmensch zu werden. Schließlich ist für sie alles neu: neue Gerüche, neue Routinen und neue Mitbewohner. Unter Umständen möchten sie sich verstecken oder sogar ihre Grenzen austesten, indem sie Fluchtversuche unternehmen.

2. Vermittle ein Gefühl der Sicherheit
Ein ausgewiesener sicherer Rückzugsort für deine Katze hilft ihr, sich zu Hause sicher zu fühlen. Daher empfiehlt Dr. Torrent Ample, den ruhigsten Raum zu nutzen und ihn mit den wichtigsten Gegenständen auszustatten, die deine Katze benötigt. Dazu können ein Katzenbett, ein Kratzbaum oder eine Kratzmatte, Futter- und Wassernäpfe sowie eine Katzentoilette gehören.
Zwinge deine Katze nicht zur Interaktion mit dir, wenn sie sich in diesem Raum aufhält. Halte neugierige Mitbewohner fern und sperre den Bereich mit einem Baby- oder Hundegitter ab, bis deine neue Katze bereit zum Kennenlernen ist.
Stephen Quandt, CFTBS, zertifizierter Trainings- und Verhaltensspezialist für Katzen und Gründer von Stephen Quandt Feline Behavior Associates, LLC, empfiehlt, die Katze selbst entscheiden zu lassen, wann sie ihren sicheren Ort verlassen möchte.
„Wenn sie sich versteckt oder sich weigert, sich der Tür zu nähern, ist sie noch nicht zur Erkundung bereit – wenn sie jedoch aktiv nach draußen möchte, ist es Zeit, sie auf Entdeckungsreise gehen zu lassen“, erklärt er.
3. Etabliere eine Futter- und Spielroutine
Nach einigen Wochen haben sich die meisten Katzen eingelebt und erkennen, dass dieser neue Ort ihr Zuhause ist. Zu diesem Zeitpunkt fühlen sie sich in der Regel wohler und zeigen ihr wahres Wesen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um Routinen einzuführen.
Erstelle einen Zeitplan zur Schaffung einer Struktur und Förderung von Sicherheit und Vertrauen. „Wenn wir [unseren Katzen] feste Zeiten für Mahlzeiten, besondere Spielstunden und Schlaf geben, gewöhnt sich ihr Körper an diese Zeiten, was beruhigend und entspannend wirkt“, erklärt Quandt.
4. Schaffe positive Assoziationen
Die Sozialisierung deiner Katze oder deines Kätzchens ist außerdem wichtig, um das Vertrauen deiner Katze zu dir und in unbekannte Situationen aufzubauen. Dazu gehört, dass du lernst, wie deine Katze gerne gestreichelt wird, und du sie langsam an längere Streicheleinheiten gewöhnst.
Wenn du zwei Katzen zusammenbringen möchtest, ist jetzt laut Dr. Torrent Ample der richtige Zeitpunkt dafür. Beginne mit kurzen, beaufsichtigten Interaktionen und verlängere die Besuchszeit allmählich, wenn sie sich aneinander gewöhnt haben. Und vergiss nicht, sie mit Leckerlis zu belohnen!
5. Passe die Spielzeit an die Persönlichkeit an
Je mehr du über die einzigartige Persönlichkeit deiner Katze lernst, desto besser findest du Aktivitäten, die zu ihren Vorlieben passen. Eine energiegeladene Katze hat vielleicht Spaß an einem interaktiven elektronischen Spielzeug, das sie auf Trab hält. Eine eher ruhige Katze, die ihre Ruhe genießt, schätzt vielleicht die Privatsphäre, die ihr ein Katzentunnel oder ein Kratzbaum bietet.
„Spielen hilft beim Aufbau von Vertrauen, baut Stress ab und stärkt die Bindung zwischen dir und deiner Katze“, betont Dr. Torrent Ample. Sie empfiehlt die Verwendung von Katzenwedeln, interaktiven Leckerli-Spendern oder Puzzle-Futterautomaten.

6. Verwende Leckerlis – und Training
Nach einigen Wochen kannst du deiner Katze freien Zugang zum Haus gewähren und sie zum Erkunden ermutigen. Du solltest weiterhin auf verlässliche Routinen achten und Chaos in deinem Zuhause vermeiden. Aber mittlerweile kennst du die Persönlichkeit und das Wohlbefinden deiner Katze besser.
Unsere beiden Experten empfehlen in dieser Phase das Clickertraining. Dr. Torrent Ample betont, wie wichtig die fortlaufende positive Verstärkung durch Leckerlis und Zuneigung ist, um die Bindung zwischen dir und deiner Katze zu stärken.
„Katzen sind trainierbare Wesen, denen durch positive Verstärkung Tricks oder Verhaltensweisen beigebracht werden können, was ebenfalls die Bindung stärken kann“, betont Dr. Torrent Ample. Du kannst deiner Katze einfache Kommandos wie „Sitz“, „Bleib“ oder „Komm“ beibringen. Du kannst ihr sogar beibringen, High-Fives zu geben, sich auf die Hinterbeine zu stellen und eine Glocke zu läuten.
7. Nimm deine Katze auf (beaufsichtigte) Abenteuer im Freien mit
Je nach Temperament deiner Katze kann es auch sinnvoll sein, sie unter Aufsicht mit nach draußen zu nehmen, damit ihr beide Spaß habt. „Gemeinsam neue Orte zu erkunden, kann für dich und deine Katze eine bereichernde Erfahrung sein und eure Bindung durch gemeinsame Abenteuer stärken“, erklärt Dr. Torrent Ample. Du kannst dafür einen Katzenrucksack verwenden oder vielleicht auch versuchen, deiner Katze das Laufen an der Leine beizubringen.
Der Prozess des Bindungsaufbaus sieht je nach Persönlichkeit der Katze und der Dynamik in deinem Haushalt unterschiedlich aus. Hier erfährst du, wie du mit einigen häufigen Szenarien umgehen kannst.
8. Respektiere ihre Grenzen
Auch wenn deine Katze dich mit der Zeit immer mehr mag, ist es wichtig, ihre Grenzen und Signale zu respektieren. Eine Katze kann schnell ihre Meinung ändern, wenn du ihre Körpersprache ignorierst oder in ihren sicheren Bereich eindringst.
„Wenn sie dir zeigt, dass sie Freiraum braucht oder nicht angefasst werden möchte, gib ihr den Freiraum, und versuch nicht, sie zu einer Interaktion zu zwingen“, räht Dr. Torrent Ample.
Du kannst trotzdem aus der Ferne mit deiner Katze interagieren und ihr zeigen, dass du sie liebst. Sprich mit sanfter Stimme mit ihr, ohne sie zu berühren. Blinzle langsam, um ihr zu zeigen, dass du glücklich mit ihr bist. Mitunter hilft auch die Anwendung umgekehrter Psychologie: Ignoriere deine Katze und warte, bis sie von sich aus spielen oder kuscheln möchte.

Wird meine Katze mit mir kuscheln?
Sowohl Dr. Torrent Ample als auch Dr. Quandt erinnern uns daran, dass die Neigung einer Katze zu Zuneigung oder Kuscheln eng mit ihrer individuellen Persönlichkeit zusammenhängt. Einige Katzen sind von Natur aus Schoßkatzen, während andere ihren eigenen Freiraum brauchen. Mit Leckerlis und Spielen kannst du zwar körperliche Zuneigung fördern, doch rät Dr. Torrent Ample davon ab, eine Katze zum Kuscheln zu zwingen, da dies das Gegenteil bewirken und Misstrauen schaffen kann. „Letztendlich ist es wichtig, unsere Katzen so zu lieben und zu akzeptieren, wie sie sind, ihre einzigartige Persönlichkeit zu respektieren und ihnen zu erlauben, Zuneigung auf ihre eigene Art und Weise und zu ihrer eigenen Zeit auszudrücken“, erklärt sie.
Es gibt viele Möglichkeiten, deiner Katze zu zeigen, wie sehr du sie liebst und schätzt. Wenn du ihre individuellen Eigenheiten und Vorlieben besser kennst, kannst du Aktivitäten wählen, die ihrer einzigartigen Persönlichkeit entsprechen und die Bindung zwischen euch stärken.


