- Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine professionelle, tierärztliche Konsultation.
Hunde, die nie zur Ruhe kommen, haben vielleicht einfach besonders viel Energie. Es kann aber auch sein, dass sie aufgrund von Langeweile, Angst oder Reizüberflutung derart aufgedreht erscheinen.
Rasse, Alter, Umfeld und Gesundheit sind allesamt mögliche Gründe für Hyperaktivität bei Hunden, so Dr. Lisa Ciucci, Tierärztin und Eigentümerin des Animal Gardens Hospital.
Ein hyperaktiver Hund bringt dich wahrscheinlich an deine Grenzen, bevor er selber müde wird, es gibt aber einiges, was du tun kannst, um für Abhilfe zu sorgen! Idealerweise fragst du zunächst deinen Tierarzt um Rat, damit er ermitteln kann, welche Gründe es für die Hyperaktivität deines Hundes gibt. Er kann dir auch helfen, ein entsprechendes Trainingsprogramm zu finden, und weitere hilfreiche Lösungen empfehlen.
Hier bekommst du acht Tipps, wie du laut Expertenmeinung deinen hyperaktiven Hund beruhigen kannst und wann du einen Tierarzt aufsuchen solltest. Außerdem findest du Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Hyperaktivität bei Hunden.
Mehr Bewegung und mentale Stimulation
„Je nach Art und Rasse haben Hunde ganz unterschiedliche Bedürfnisse,“ sagt E. Foley, zertifizierter Hundetrainer bei Foley’s Dog Training. „Wenn ein Hund kein ausreichendes Ventil dafür bekommt, diese Bedürfnisse auszuleben, schlägt sich seine mentale und körperliche Energie auf seine Verhaltensweise nieder. Dabei handelt es sich in der Regel um Verhaltensweisen, die uns Menschen nicht gefallen, zum Beispiel das Knabbern an Möbeln oder Behüten der Kinder.“

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Dies sind Aktivitäten, die zur körperlichen und mentalen Stimulation gut geeignet sind:
- Längerer Auslauf oder häufigere Spaziergänge (mit viel Gelegenheit zum Schnüffeln), Joggen, Schwimmen oder Apportieren
- Spielzeit mit interaktivem Spielzeug, Flirtpoles oder Hütebällen
- Hundesportarten, wie Agility, Nosework, Tricks, Frisbee, Dock Diving oder Barn Hunt
Jeder Hund benötigt tägliche Bewegung. Jüngere Hunde und bestimmte Rassen, zum Beispiel Arbeitsrassen, haben allerdings ein erhöhtes Energielevel im Vergleich zu anderen und benötigen daher mehr Auslauf und Aufgaben.
Für vielbeschäftigte oder körperlich eingeschränkte Hundebesitzer bieten Hundeparks oder eine Tagesbetreuung für Hunde großartige Möglichkeiten, damit ihr Hund seine Energie abladen kann, so Dr. Ciucci.
Eine konsequente Routine
Hunden geht es besonders gut, wenn sie eine konsequente Routine haben und genau wissen, was sie am Tag erwartet.
„Ein vorhersehbarer täglicher Rhythmus nimmt ihnen Ängste, indem klare Erwartungen festgelegt werden,“ sagt Kris Hampton, Gründerin von Raintown Dog Training. „Wenn Füttern, Spaziergänge, Spielzeiten und Ruhestunden jeden Tag ungefähr zur selben Zeit stattfinden, lernen Hunde, sich an ein Muster zu gewöhnen, anstatt rund um die Uhr Action zu erwarten.“
Eine tägliche Routine kann auch das Selbstbewusstsein deines Hundes stärken, was wiederum dazu führt, Energieausbrüche aufgrund von Unsicherheit über das, was als nächstes passiert, zu vermeiden.

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Ruhiges Verhalten belohnen
Wenn du ruhiges Verhalten belohnst, bestärkst du deinen Hund. Positive Bestärkung motiviert deinen Hund dazu, diese Verhaltensweise beizubehalten.
Hampton hat ein paar Tipps, wie du ruhiges Verhalten am besten belohnst:
- Nutze eine Situation, in der dein Hund entspannt ist, und bestärke ihn sofort darin.
- Warte darauf, dass dein Hund für mehrere Sekunde ruhig sitzt oder liegt, bevor du ihn lobst oder ihm ein Leckerli gibst.
Mit der Zeit lernt dein Hund, dass ein ruhiges und friedliches Verhalten ihm eher seine geliebten Belohnungen einbringt, als das Verlangen danach, durchzudrehen, erklärt sie.
Tägliches Training integrieren
Bei einem täglichen Training hat dein Hund die Möglichkeit, sich zu konzentrieren und mentale Stimulation zu erhalten, die ihn auslastet, so Sally Grottini, professionelle Hundetrainerin und Verhaltensspezialistin für Hunde bei JustAnswer.
Laut Grottini sind dies weitere Tricks und Trainingsbefehle, die Hunde lernen sollten:
- Grundlegende Befehle wie Sitz, Platz, bei Fuß, Bleib und Aus.
- Der Befehl, ins Körbchen/an seinen Platz zu gehen, um diesen Ort aufzusuchen und dort zu bleiben, bis du ihn per Kommando davon befreist.
- Der Befehl Aus, um ihm beizubringen, dass er damit aufhören soll, das zu tun, was er gerade macht, zu dir zurückkommt und abwartet.
- Ein Aufmerksamkeitskommando, damit er sich auf dich konzentriert.
- Der Befehl, zu warten, damit er lernt, innezuhalten und an einem Ort zu bleiben, bis du ihn per Kommando davon befreist.
Wenn dein Hund zu Stress, Angst oder ähnlichem Verhalten neigt, kannst du es mit einem Entspannungsprotokoll versuchen, um ihm beizubringen, wie er sich in unterschiedlichen Situationen beruhigen kann. Dadurch hilfst du ihm auch, seine emotionalen Reaktionen zu regulieren und sein Selbstbewusstsein zu stärken.
Tipp: Achte darauf, dass die Trainingssequenzen kurz und unterhaltsam sind, damit dein Hund das Interesse nicht verliert.
Ein ruhiges Umfeld Zuhause
Eine ruhige Atmosphäre in den eigenen vier Wänden senkt Reize und Stress, so dass dein Hund besser zur Ruhe kommt. Mit nur wenigen Veränderungen sorgst du dafür, dein Zuhause zu einem sicheren Ort für deinen Hund zu machen.
Grottini hat folgende Empfehlungen dafür, wie du deinem Hund eine entspannte Atmosphäre bietest:
- Verwende einen Adaptil-Diffuser in den Räumen, wo sich dein Hund am meisten aufhält.
- Spiele beruhigende Musik für Hunde ab.
- Stelle einen Lüfter an, der weißes Rauschen abgibt.
- Verdecke Fenster, durch die dein Hund die Außenwelt beobachten kann, mit Halbjalousien, Vorhängen oder Fensterläden.
Aufgaben verteilen
Es kann sein, dass dein Hund einfach eine Aufgabe braucht, vor allem wenn es sich um eine Arbeits-, Hüte- oder Sportrasse handelt.
„Wenn du ihm eine Aufgabe wie Schnüffeltraining gibst, sorgt das für mentale und körperliche Stimulation,“ sagt Grottini. „Dadurch bleibt dein Hund nicht nur geistig bei der Sache, er bewegt sich auch mehr und wird dadurch ausgepowert.“
Es reicht schon, ihn ein Spielzeug suchen zu lassen, dass du versteckt hast, um seine Energie umzuleiten.

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Unerwünschtes Verhalten ignorieren
Vermeide es, unerwünschtes Verhalten zu belohnen, indem du deinem Hund Aufmerksamkeit schenkst, wenn er sich hyperaktiv verhält. Dadurch kann dieses Verhalten noch verstärkt werden, erklärt Grottini.
Anstatt ihn mit Befehlen wie „Aus“ oder „Ruhe“ zu maßregeln, ignorierst du ihn am besten. Sobald er sich selbst beruhigt hat, kannst du ihm wieder Aufmerksamkeit schenken und ihn loben.
Nahrungsergänzungsmittel und alternative Therapien ausprobieren
Wenn es um Verhaltensprobleme bei Hunden geht, ist ein abgestufter Ansatz dringend zu empfehlen, verrät Dr. Ciucci.
Verhält sich dein Hund hyperaktiv, solltest du mit einem Experten für angstfreies Training zusammenarbeiten und dies damit kombinieren, dass dein Hund seine Energie in einer Tagesbetreuung für Hunde oder in Form von zusätzlicher Bewegung herauslässt.
Du kannst auch beruhigende, natürliche Nahrungsergänzungsmittel ausprobieren. Diese sind rezeptfrei erhältlich und enthalten zum Beispiel folgende Inhaltsstoffe:
- L-Theanin
- Melatonin
- Baldrianwurzel
- Kamille
- Alpha-Casozepin
- Tryptophan
Denke nur immer daran, mit einem Tierarzt zu sprechen, bevor du deinem Hund Nahrungsergänzungsmittel gibst. Er wird dich dabei unterstützen, welche Mittel dein Hund genau kriegen sollte, und dir vielleicht sogar eine bestimmte Marke empfehlen.

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Wann du dich an den Tierarzt wenden solltest
Dein Tierarzt sollte mit ins Boot geholt werden, wenn sich das Verhalten deines Hundes extrem oder gefährlich für ihn oder dich darstellt, oder wenn es Veränderungen an seinem Energieniveau gibt, so Dr. Ciucci.
Außerdem ist ein Rat des Tierarztes erforderlich, wenn dein Hund auch nach dem Training oder durch Veränderungen am Lebensstil weiterhin Anzeichen von Hyperaktivität zeigt. Er kann dich dabei unterstützen, wie man hyperaktive Hunde beruhigt, und außerdem feststellen, ob es medizinische Gründe für das Verhalten des Hundes gibt.
Hier sind ein paar Beispiele für Erkrankungen, die zu Hyperaktivität bei Hunden führen können:
- Überhitzung
- Hoher Blutdruck
- Lungen- oder Herzkrankheiten
- Vergiftung
- Neurologische Probleme
Ängstliche Hunde wirken möglicherweise aufgrund von Symptomen wie Unruhe, impulsiven Verhaltensweisen oder Energieveränderungen hyperaktiv. Dein Tierarzt kann ein Angstverhalten diagnostizieren und die entsprechende Behandlung empfehlen.
Zu Medikamenten gegen Angstzustände gehören:
- Trazodon
- Prozac (Fluoxetin)
- Clomicalm (Clomipramin)
- Beruhigungsmittel wie Gabapentin, Sileo und Acepromazin gegen situative Angstzustände.
„Dein Tierarzt kann medizinische Ursachen ausschließen, die sichersten und effektivsten Nahrungsergänzungsmittel empfehlen, Medikamente verschreiben und dich an einen zertifizierten Verhaltensexperten verweisen,“ sagt Dr. Ciucci.
Hyperaktivität bei Hunden FAQ
Kann die Ernährung meines Hundes seine Hyperaktivität beeinflussen?
Es gibt nicht viele Untersuchungen, die sich mit dem Zusammenhang zwischen der Ernährung und Hyperaktivität bei Hunden beschäftigt haben.
An einer kleinen Studie (EN) nahmen 12 Hunde mit extremer territorialer Aggression, Dominanzaggression oder Hyperaktivität sowie 14 Kontrollhunde teil. Diese Hunde bekamen im Laufe von drei separaten zweiwöchigen Perioden eine proteinarme, mittelproteinreiche und proteinreiche Ernährung. Die proteinarme und mittelproteinreiche Ernährung senkte die territoriale Aggression, keine der Ernährungsformen hatte aber Auswirkungen auf die Hyperaktivität oder Dominanzaggression.
Daher ist es möglich, dass eine Umstellung der Ernährung deines Hundes Veränderungen bewirken könnte. Besprich so etwas vorher mit deinem Tierarzt. Er wird dich zur sicheren Umstellung der Ernährung deines Hundes beraten und möglicherweise Optionen empfehlen.

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Was sollte ich priorisieren, um meinem hyperaktiven Hund zu helfen?
Wenn du herauszufinden versuchst, wie du deinen hyperaktiven Hund beruhigen kannst, solltest du ein tägliches Training mit positiver Bestärkung, Routinen und mentale Stimulation mithilfe von bereicherndem Spielzeug priorisieren, sagt Grottini. Berücksichtige auch immer das Alter deines Hundes. Welpen haben in der Regel mehr Energie und können eher hyperaktiv wirken als ausgewachsene oder ältere Hunde, es kann also sein, dass sich dieses Verhalten wieder legt.
Beruhigt sich mein energiegeladener Hund irgendwann von selbst?
Hunde können bis zum Alter von etwa drei Jahren zu Hyperaktivität neigen, dann beruhigt sich ihr Verhalten normalerweise von selbst, sagt Dr. Ciucci. Sie gelten bis zum Alter von einem Jahr als Welpen und durchleben ihre jugendliche Phase im Alter von eins bis drei.
Wie erziehe ich einen hyperaktiven Hund?
Der beste Umgang mit extrem aufgeregtem Verhalten erfolgt in Form von Umleitung auf akzeptable Ventile anstelle von Bestrafungen. Wenn du deinen Hund bestrafst, kann das Angst oder Unruhe auslösen und die Hyperaktivität verschlimmern, so Hampton. Lenkst du hingegen seinen Fokus ab und bestärkst dann ein ruhigeres Verhalten, bringst du ihm eine angstfreie und klare Selbstbeherrschung bei.
Wenn dein Hund beispielsweise aufgrund von überschüssiger Energie Leute anspringt oder Dinge anknabbert, solltest du ihn auf ein Spielzeug aufmerksam machen oder ihm einen einfachen Befehl wie „Sitz“ beibringen und ihn dann dafür belohnen, wenn er sich für die alternative Verhaltensweise entscheidet, sagt sie.


