- Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine professionelle, tierärztliche Konsultation.
Es ist allgemein bekannt, dass Hunde gerne an ihren Lieblingsmenschen lecken, aber wusstest du, dass manche Haustiere auch gerne an ihren Menschen knabbern? Manchmal nagen Hunde sanft an der Hand, am Bein, an der Kleidung oder an den Haaren ihrer Besitzer. Dieses Verhalten wird auch als „Cobbing“ bezeichnet und erinnert daran, wie Menschen an einem Maiskolben nagen.
Es mag seltsam erscheinen, aber bei diesem Knibbeln gibt es meist keinen Grund zur Beunruhigung. In den meisten Fällen erinnert Cobbing an die natürliche Fellpflege zwischen Rudelmitgliedern und ist beim Spielen ganz normal. Wenn dein Hund dieses Verhalten an den Tag legt, drückt er entweder Zuneigung aus oder beruhigt sich selber. Alternativ kann dieses Knibbeln auch als Kommunikationsform dienen, vielleicht braucht dein Hund gerade Aufmerksamkeit.
Um mehr über dieses Verhalten zu erfahren, haben wir mit Dr. Gary Dattner gesprochen, Tierarzt, Cornell University College of Veterinary Medicine, und CVO von Tandem Vet Care. Außerdem waren wir mit Nell Ostermeier im Gespräch, Tierärztin und Sprecherin für Figo Pet Insurance.
Was es bedeutet, wenn dein Hund an dir knabbert
Hunde knabbern aus ganz unterschiedlichen Gründen an Menschen. Der häufigste? Um Zuneigung zu zeigen und ihre Menschen zu „pflegen“, genauso wie sie es mit einem anderen Hund tun würden, dem sie nahe stehen. „Sanftes Knibbeln stellt meist einen Ausdruck von Zufriedenheit und Liebe dar, so wie sich Hunde in Rudeln aneinander reiben, um Zusammengehörigkeit und Verbindung zu demonstrieren,“ erklärt Dr. Dattner.
Viele Hunde knabbern zwar aus Zufriedenheit, es kann aber auch auf negative Gefühle hindeuten. „Vielleicht versucht der Hund, deine Aufmerksamkeit zu bekommen, vielleicht ist er extrem glücklich und zufrieden oder vielleicht hat er Angst,“ fügt Dr. Ostermeier hinzu. Um herauszufinden, ob dein Hund aus Angst an dir knabbert, solltest du auf seine Körpersprache achten, zum Beispiel ob sein Schwanz eingezogen oder seine Augen aufgerissen sind.
Cobbing kann auch ein Zeichen für Überreizung beim Hund sein und dass er Ruhe braucht. „Manchmal knibbeln Hunde an ihrem Spielzeug, an Decken oder sogar am eigenen Körper, um sich selbst zu beruhigen oder zu beschäftigen,“ merkt Dr. Dattner an.
Und die einfachste Ursache? „Es kann gut sein, dass der Hund einfach den salzigen Geschmack deiner Haut genießt,“ meint Dr. Ostermeier.

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Welche Hunde am wahrscheinlichsten knabbern
Zwar knabbern Hunde so ziemlich aller Rassen und Altersstufen, es gibt aber solche, die eher zu diesem Verhalten neigen, nämlich zahnende Welpen, soziale Rassen und gestresste Hunde.
Zahnende Welpen
Vor allem Welpen tendieren von Natur aus dazu, ihre Welt mit der Schnauze zu erkunden, daher gehört das Knabbern zum ganz normalen Verhalten während dieser Entwicklungsphase. Zahnende Welpen kauen mit großer Vorliebe an ihren Besitzern, um ihr schmerzendes Zahnfleisch zu lindern. Um dieses Verhalten zu unterbinden, biete deinem Welpen stattdessen ein robustes Kauspielzeug oder ein gefrorenes Spielzeug an.
Rassen, die zum Knabbern neigen
„Von Natur aus soziale Rassen wie Retriever und Spaniel tendieren am meisten zum Cobbing an deinem Körper oder Gegenständen, die sie mit dir verbinden,“ sagt Dr. Dattner. Diese Hunde wurden außerdem gezüchtet, um Wild zu apportieren, weshalb ihre Maulinstinkte besonders ausgeprägt sein können.
Hütehunde wie Australien Shepherd und Australian Cattle Dog sind ebenso dafür zuständig, Schafe und Rinder voranzutreiben, indem sie ihnen in die Fersen zwicken, und zeigen dieses Verhalten auch noch oft ihren Menschen gegenüber.
Stressreaktion
Ängstliche Hunde oder leicht überreizte Charaktere knibbeln möglicherweise aus Stress oder Anspannung. Wenn du der Meinung bist, dies könnte der Grund für das Knabbern deines Hundes sein, beachte am besten genau, in welchen Situationen es dazu kommt. Vielleicht wenn der Hund Angst hat, zum Beispiel bei einem Gewitter? Oder wenn dein Hund gerade sehr aufgeregt ist, weil er Spielen möchte?

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Knabbern im Vergleich zu Beißen
Es gibt zwei erhebliche Unterschiede zwischen Knabbern und Beißen: Den Druck, den dein Hund ausübt, und das Vorhaben hinter seinem Verhalten.
„Mithilfe dieser subtilen oder gar nicht so subtilen Unterschiede können Hundebesitzer entsprechend reagieren und mit ihren Hunden positiv umgehen,“ sagt Dr. Dattner.
Beim Knabbern übt dein Hund nur sehr wenig oder gar keinen Druck aus und nimmt nur sanft seine Vorderzähne, um an dir zu nagen. Dabei handelt es sich in der Regel um ein ruhiges Verhalten, das keine Schmerzen verursacht. Ein Hund knabbert dann, wenn seine Körpersprache entspannt oder ängstlich, nicht aggressiv ist.
Beim Beißen hingegen wendet der Hund deutlich mehr Kraft an. Dann kommen auch seine hinteren Zähne zum Einsatz, um in ein Körperteil zu beißen. Die häufigsten Gründe, warum Hunde beißen, umfassen das Warnen anderer Tiere oder Menschen und die Selbstverteidigung vor echten oder eingebildeten Bedrohungen. Anders als beim Knabbern wird Beißen meist von angstvoller oder aggressiver Körpersprache begleitet, zum Beispiel Knurren, einer steifen Körperhaltung oder Anlegen der Ohren.
Knibbeln unterscheidet sich auch von anderen Einsatzmöglichkeiten der Schnauze, wenn der Hund seine Zähne benutzt, um etwas zu berühren oder zu greifen, ohne hart zuzubeißen. Dieses Verhalten kommt vor allem bei Welpen vor, die noch lernen müssen, mit Beißhemmungen umzugehen.

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Solltest du das Knibbeln unterbinden?
Experten zufolge gibt es keinen bestimmten Grund, deinen Hund am Knibbeln zu hindern, wenn er dies nicht übermäßig und auf schmerzvolle Weise an den Tag legt. Ein zahnender Welpe, der an dir knabbert, wächst vielleicht auch aus dieser Gewohnheit heraus. Wenn du dieses Verhalten nicht magst oder es einem Beißen näher kommt als Knibbeln, solltest du das Thema ruhig angehen.
Laut Dr. Dattner sind dies die besten Optionen, um das Hundeknabbern zu unterbinden:
- Lenke die Aufmerksamkeit deines Hundes auf ein Kauspielzeug oder eine passende Aktivität, wenn er zu knibbeln beginnt.
- Lobe ihn verbal, nachdem du ihn erfolgreich abgelenkt hast. „Immer wenn dein Hund brav und ruhig ist, lobe ihn, damit er weiß, was ihn erwartet,“ sagt Dr. Dattner.
- Bringe deinem Hund alternative Verhaltensweisen bei, bestärke sie mit den liebsten Leckerlis deines Hundes oder verbinde sie mit einem Befehl. „Es hilft auch, ihm ein paar grundlegende Kommandos beizubringen, zum Beispiel „Aus“ oder „Vorsichtig“. Sie dienen dazu, die Maulgewohnheiten deines Hundes unter Kontrolle zu halten,“ fügt Dr. Dattner hinzu.
- Bleibe immer ruhig, während du am Verhalten deines Hundes arbeitest. Negative oder verärgerte Reaktionen können dafür sorgen, dass dein Hund noch verängstigter wird und das Verhalten sich verstärkt.
Knibbeln bei Hunden muss aber eigentlich keine große Angelegenheit sein. Wenn es für dich kein Problem ist, ist es kein Problem, und du kannst die Aufmerksamkeit deines Hundes weiter genießen!


